edition Gedankenfluss
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Andreas GIger (AG) im Gespräch mit seinem Alter Ego (AE)


AE: Welche Rolle spielt Schreiben in deinem Leben?
AG: Die ganze Schulzeit über war das Schreiben von Aufsätzen mein Lieblingsfach. Ich habe schon im Gymnasium begonnen, lokaljournalistisch tätig zu sein. Im Studium liebte ich das Verfassen von wissenschaftlichen Arbeiten. Und dann, vermutlich bald danach, kam eine Art Erweckungserlebnis hinzu.
AE: Klingt spannend. Erzähl doch bitte.
AG: Nun, ich war allein auf einem Spaziergang auf dem Rheinuferweg zwischen Schaffhausen und Neuhausen. Plötzlich blieb ich stehen, und ganz spontan schallte laut aus mir hinaus der Ruf: Ich will schreiben!!!
AE: Hoffentlich hat dich niemand gehört und gesehen…
AG: Ich glaube nicht. Und wenn schon: Die Botschaft war ja eindeutig an mich gerichtet. Ich wusste zwar noch nicht, was genau ich schreiben wollte, doch dass Schreiben ein zentrales Lebensthema sein würde, war sonnenklar. Und so ist es ja dann auch gekommen.
AE: Kannst du das noch etwas genauer ausführen?
AG: Ich habe viele beruflichen Tätigkeiten ausprobiert in meinem Leben.  Und alle hatten sie mit schreiben zu tun. Ich habe weiterhin viele sozialwissenschaftlichen Studien verfasst. Ich war journalistisch und als Verfasser von Fachartikeln tätig. Meine politischen Reden habe ich selbst geschrieben. Ich habe als Ghostwriter Reden und ganze Bücher für andere geschrieben. Es gibt eine ganze Reihe von im Eigenverlag publizierten kleinen Bücher, die alle um das Thema Lebens-Kunst kreisen. Und so fort.
AE: Nicht zu vergessen deine über vierzig Marken-Krimis…
AG: Ja, der Start dieser Laufbahn pünktlich zu meinem sechzigsten Geburtstag war tatsächlich ein Wendepunkt in meinem Leben als Autor. Das Schreiben von Krimis hat mir so gut gefallen, dass es mehr und mehr zu meiner Hauptbeschäftigung wurde.
AE: Was hat dir denn daran so gut gefallen?
AG: Endlich konnte ich Fakten und Fiktion miteinander verbinden und verweben und dabei meiner Fantasie freien Lauf lassen. Da ich ja die meisten meiner Marken-Krimis im Auftrag von Unternehmen und Gemeinden geschrieben habe, die sich in der Geschichte wiedererkennen wollten, blieb Faktentreue weiterhin wichtig. Aber eben angereichert durch die fiktiven Ergebnisse meiner kreativen Fantasie.
AE: Du klingst immer noch ganze begeistert. Obwohl doch, wenn ich richtig informiert bin, solche Aufträge rar geworden sind.
AG: Das ist leider nicht falsch. Doch es hat mir andererseits auch Freiräume dafür eröffnet, frei zu schreiben, worüber ich will und wie ich will. Daraus sind etliche der Texte entstanden, die jetzt auf dieser Website zu finden sind.
AR: Wenn du ohne Auftrag frei schreibst: Hast du da eine bestimmte Zielgruppe im Auge?
AG: Eindeutig nein. Ich schreibe, wie es aus mir herausfliesst. Natürlich verspüre ich, wie die meisten Schreibenden, ein Bedürfnis, Leserinnen und Leser zu finden. Doch wenn ich an bestimmte Leserinnen und Leser denke, dann im Sinne von «to whom it may concern“, also «für diejenigen, die es etwas angeht», für alle, bei denen meine Texte auf Resonanz stossen.
AE: Andere Frage: Was motiviert dich eigentlich zu deinem Schreiben? Und hast du nie Selbstzweifel?
AG (stöhnt): Oh Göttin, das sind jetzt zu schwere Fragen für mich. Und zwar ganz einfach, weil es kein einheitliches Ich gibt, das sie beantworten könnte. Dafür besteht es aus zu vielen Teilpersönlichkeiten. Dieser mein innerer Chor umfasst wesentlich mehr Stimmen als zwei. Und er hat solche und ähnliche Fragen sehr wohl besprochen, bevor ich mit der edition gedankenfluss gestartet bin. Und du hast Glück: Es gibt ein Kurzprotokoll von diesem Meeting des inneren Chors. Das beantwortet deine Fragen viel differenzierter, als ich es allein vermöchte. Du findest es gleich im Anschluss an unser Gesprächsprotokoll.
AE: Gut, werde ich gleich lesen. Doch eine letzte Frage hätte ich noch: Wie muss ich mir dein Schreiberleben vorstellen? Hockst du die ganze Zeit einsam und isoliert in deiner Dichter- und Denkerstube in deinem kleinen Dorf und brütest vor dich hin?
AG: Oh nein, ich bin weder einsam noch isoliert. Zwar lebe ich grundsätzlich tatsächlich allein in einem kleinen Appenzeller Dorf, in dem ich mich wohl und integriert fühle. Doch ich fahre regelmässig in eine nahe deutsche Grossstadt, wo jene Frau lebt, mit der mich seit vierzig Jahren eine Liebesbeziehung auf Distanz verbindet. Dort erlebe ich in meinem Sozialleben einen willkommenen Kontrast zum Gewohnten Dazu kommen beidseitig Kinder und Enkelkinder, mit denen ich mich verbunden fühle. Diese Situation hat sich als ideal sowohl für mein Schreiben als auch mein Privatleben erwiesen.
AE: Da bin ich ja beruhigt. Aber da fällt mir doch noch eine Frage ein: Ich habe gehört, du seiest ziemlich altmodisch. Siehst du das auch so?
AG: In gewisser Weise stimmt das. Ich lese Zeitungen und Zeitschriften immer noch viel lieber auf raschelndem Papier als auf einem Bildschirm. Und ich habe mich nie auf die sogenannten Sozialen Medien eingelassen. Nicht aus grundsätzlicher Ablehnung moderner Technologie, sondern weil ganz einfach das Aufwand-Ertrags-Verhältnis für mich nicht stimmte.
AE: Apropos moderne Technologie: Wie hältst du es mit KI?
AG: Als neues Phänomen, das ganz sicher viel verändern wird, betrachte ich KI mit grossem Interesse. Persönlich hält sich meine Beziehung zu ihr in engen Grenzen. Bezeichnenderweise erhielt ich von ihr, als ich einmal der Bequemlichkeit halber eine Faktenfrage stellte, eine klar falsche Antwort. Einen künstlichen Ratgeber für meine Seelenwehwechen brauche ich auch nicht. Und schon gar nicht brauche einen künstlichen Ghostwriter für meine Schreibprozesse. Schreiben kann ich am authentischsten immer noch allein, und das wird garantiert so bleiben. Wenn du das altmodisch nennen willst – bitte sehr!
AE:  Das Stichwort «alt» bringt mich zur definitiv letzten Frage: Ist die edition gedankenfluss so etwas wie dein Vermächtnis?
AG: Das klingt mir zu hochtrabend. Und es würde ja bedeuten, dass mein Werk bereits abgeschlossen ist. Ist es aber nicht. Ich habe durchaus vor, noch öfters in die Tasten zu greifen…
AE: Dann wünsche ich dir weiterhin frohes Schreiben!


Gigers innerer Chor: Debatte zur edition gedankenfluss

Moda (Moderatorin): Wir wollen heute ein Projekt besprechen, das uns von unserem Chormitglied Inno vorgestellt wird. Bitte!
Inno (Innovator): Es geht darum, jene Texte aus unserer langjährigen Tradition, die wir für würdig halten, gelesen zu werden, als edition gedankenfluss in digitaler Form  herauszugeben. Nicht, um sie zu verkaufen. Sondern, um sie zu verschenken.
Konto (Schatzmeister des Chors): Was? Höre ich das richtig? Das Projekt bringt nichts in unsere Kasse. Warum zum Kuckuck sollen wir es dann angehen?
Flexi (Flexibilität): Darf ich daran erinnern, dass wir nicht zuletzt dank mir deine Probleme immer irgendwie gelöst haben? Und ja, ich finde so viel Wendigkeit im grundsätzlichen Ansatz gut. Mich würde allerdings auch interessieren, lieber Inno, welche Motive hinter dem Projekt stecken, wenn es sicher nicht Geld ist.
Inno: Danke, dass du nach Motiven in der Mehrzahl fragst, ein alles dominierendes könnte ich nämlich nicht benennen. Beginnen wir mit der Ausgangslage. Wir haben im Laufe der letzten Jahre und Jahrzehnte eine Menge Tete geschrieben, die nie ein Lesepublikum fanden.
Analysa (Analystin): Weil sie nie an den Schleusenwärtern in Druckmedien und Buchverlagen vorbeikamen. Obwohl wir es mit grossem Aufwand immer wieder versucht haben. Heute müssen wir kühl und emotionslos feststellen: So geht es nicht.
Inno: Danke für diese richtigen Analyse. Dazu kommt: Eine mögliche Alternative zu den etablierten Verlagen, nämlich ein Eigenverlag, erweist sich bei näherer Betrachtung als zu aufwändig – bei zu erwartenden eher geringen Erträgen. Diese Perspektivlosigkeit des konventionellen Wegs hat das Entwicklungsteam schliesslich zu einer einfachen Frage geführt: Wenn wir unsere Texte schon nicht verkaufen können – warum verschenken wir sie dann nicht einfach?
Skepti (Skeptiker): Moment mal! Wenn wir unsere Texte auf Teufel komm raus unters Volk bringen wollen, mag das ein eher unkonventioneller, aber durchaus gangbarer Weg sein. Doch eine Frage sollten wir uns davor stellen: Wollen wir das überhaupt?
Modi: Du meinst: Sind unsere Texte einen solchen Aufwand wert?
Skepti: Ja, genau. Schliesslich wartet da draussen in Welt offenkundig niemand darauf. Wobei, wenn ich meinen eigenen Grundsätzen folge, muss ich sagen, dass das niemand wissen kann…
Inno: … so lange wir es nicht ausprobieren. Was dafür spräche, das Projekt edition gedankenfluss in Angriff zu nehmen.
Skepti: Dennoch bleibt meine Frage unbeantwortet. Ich präzisiere sie. Erstens: Sind die Themen, die uns interessieren, für irgendjemanden von Relevanz? Zweitens: Haben wir dazu etwas zu sagen, was einigermassen frisch und eigenwillig klingt? Und drittens: Schreiben wir in eine Sprache, die zum Lesen einlädt?
Soziala (für das Sozialleben zuständig): Nun, bei einem breiteren Publikum konnten wir diese Fragen bisher nicht beantworten. Doch ich erinnere daran, dass unsere Texte immer mal wieder einzelne Leserinnen und Leser fand, die in persönlichen Reaktionen alle drei Fragen positiv beantworteten.
Vanitas (Eitelkeit): Schön und gut, aber diese Unterstützung von aussen brauchen wir doch gar nicht. Wir wissen doch alle selbst, dass wir gut sind. Saugut sogar. In jeder Beziehung. Es wird höchste Zeit, dass das auch andere merken. Nur dann kann mein tiefster Wunsch, nämlich, gestreichelt zu werden, erfüllt werden.
Belwurst (beleidigte Leberwurst): Also, ich fand und finde es schon sehr kränkend, dass niemand einen Blick für unsere Qualitäten entwickelt hat. Das muss tatsächlich ein Ende haben. Und in diesem Projekt sehe ich eine Chance dafür.
Skepti: Ich mahne zur Vorsicht. Niemand kann garantieren, dass sich der gewünschte Erfolg einstellt. Ohnehin wird es noch viel Aufwand brauchen, um die edition gedankenfluss bekannt zu machen, und auch dann ist alles andere als gewiss, dass diese ein grösseres Lesepublikum findet, dass eurem Bedürfnis nach Anerkennung von aussen entspricht.
Selfa (das stabile Selbst): Ich verstehe ja euer Bedürfnis nach mehr Wahrnehmung und Anerkennung von aussen. Aber ein tragfähiges Motiv für unser Projekt scheint mir das nicht zu sein.
Moda: Wie könnte denn ein tragfähiges Motiv aussehen?
Selfa: Wie mein unerschütterlicher Glaube an uns selbst, an unsere Qualitäten, an unser Werk.
Vanitas: Siehst du, du findest uns also auch so toll wie ich!
Selfa: Schon deine Wortwahl zeigt, dass es doch Unterschiede gibt. Toll finde ich uns nämlich nicht, jedenfalls längst nicht immer. Ich sehe, dass wir auf allen Lebensfeldern noch entwicklungsfähig sind, noch Luft nach oben haben. Das gilt auch für unsere Lieblingstätigkeit, das Schreiben. Aber ja: Ich habe so viel Grundvertrauen in unser Werk, das schon geschriebene wie das noch kommende, dass ich finde, es lohnt sich, das Experiment zu starten.
Moda: Du bist also überzeugt vom Erfolg der edition gedankenfluss?
Selfa: Nein, keineswegs. Ich finde einfach, unsere Text sind es wert, da und dort Resonanz zu finden. Tun sie das: gut. Tun sie das nicht: auch gut. Die Chance dazu haben sie einfach verdient.
Moralo (der Moralinsaure): Da bin ich aber froh, dass wir es vermeiden können, dass nicht diese aufgeblasene Vanitas unseren Kurs bestimmt. Ich meine, es gehört sich doch einfach nicht, so eitel zu sein!
Vanitas (aufgebracht): Moment mal, es gibt es so etwas wie eine gesunde Eitelkeit…
Selfa (beschwichtigend): Ja, und du darfst sicher mitspielen. Wie fast immer im Leben ist das eine Frage des richtigen Masses. Und ja, Moralo, du darfst ruhig deine moralischen Bedenken einbringen, solange du nicht übertreibst.
Moda: Gibt es noch weitere Stimmen, die für das Projekt sprechen?
Visua (Fotografin): Ja, ich freue mich darauf, dass jetzt auch die Bilder, mit denen wir unsere Texte meist illustriert haben, möglicherweise ein grösseres Publikum finden. Und darauf, für neue Texte neue Bilder zu finden.
Marka (Marketing-Expertin): Ihr wisst ja, dass wir uns seit Studienzeiten für Fragen rund um das Marketing interessiert und dabei die eine oder andere gute Idee entwickelt haben, die dann, weil «not invented here, nirgendwo Anklang fanden. Jetzt können wir mit der eigenen edition gedankenfluss die eine oder andere Idee einfach ausprobieren, in voller Freiheit, weil uns niemand dreinredet.
Libi (Freiheit): Gutes Stichwort. Geistige Freiheit und Unabhängigkeit war immer ein zentraler Wert in unserem Leben. Und indem wir frei entscheiden, was wir schreiben und publizieren, werden wir diesen Wert mehr leben können denn je.
Moda: Wir scheinen uns also weitgehend einig, das Projekt edition gedankenfluss zu beginnen. Verlangt jemand eine Abstimmung? Moment, da haben wir noch eine Videoschaltung zu Knorri!
Man sieht eine knorrige und zerzauste alte Wettertanne auf eine Hügelkuppe. Sie spricht:
Ihr wisst ja, dass wir das auch sind: Knorrig geworden und ziemlich zerzaust. Und wir haben im Laufe eines langen Lebens gelernt, dass wir jedem Unwetter trotzen können – bisher jedenfalls. Lasst uns aus dieser Erfahrung Kraft schöpfen für die nächsten Schritte!
Moda: Danke für diesen wichtigen Beitrag. Da keine Abstimmung verlangt wurde, gilt das Projekt als angenommen.